Extremhitze, Gewitter und Starkniederschläge mit Sturzfluten

Was können Bürgerinnen und Bürger tun?

Nach langer und extremer Hitze kommen Gewitter mit Unwetter, Starkniederschlägen und Sturzfluten schnell und unvermittelt.  Wer für ein solches Ereignis vorbereitet ist, kann Schäden verhindern oder minimieren. Das BBK gibt Hinweise zur Vorsorge.

Gewitterwolke

Nach schwülen und heißen Tagen liegen sehr oft nur wenige Augenblicke zwischen herrlichem Sonnenschein und plötzlich auftretenden sintflutartigen Regenfällen, meist noch verbunden mit Gewitter und Zentimeter großen Hagelkörnern. Sturzfluten können dabei eine Folge sein, sie können überall und jederzeit passieren, auch wenn kein Bach in der Nähe ist. Jede noch so leichte Hanglage kann dazu führen, dass die Wassermassen auf ein Gebäude zuströmen. Jede Muldenlage wird zwangsläufig dazu führen, dass sich das Regenwasser dort sammelt und schnell eine gefährliche Höhe annehmen kann.

Auch auf ebenen Straßen kann es durch Rückstau im Kanalsystem zu Überschwemmungen kommen. Die Entwässerungskanäle sind in der Regel nicht auf Sturzfluten ausgelegt. Deswegen können die Regenmassen bei Sturzfluten auch nicht über das Kanalsystem abgeführt werden. Im Gegenteil: An tiefer gelegenen Stellen quillt das Kanalwasser, das von höheren Lagen her kommt, massiv aus den Kanalschächten heraus und führt zu zusätzlichem Wassereintrag in tieferen, ohnehin schon kritischen Lagen. Brückenbauwerke in der Nähe oder Einengungen könnten einen Rückstau auf das eigene Gelände verursachen. Sehr nah stehende Bäume können bei einem Unwetter zu einer Gefahr für Haus und Hof werden.

Was können Bürgerinnen und Bürger für ihre Sicherheit tun?

Jeder sollte sich die Zeit nehmen, um über die persönlichen Vorsorgemaßnahmen nachzudenken und zu handeln. Das BBK gibt Hinweise zur vorsorglichen baulichen Sicherheit gegen Sturzfluten Die 10 wichtigsten Punkte:

1. Rückstausicherungen verhindern, dass Kanalwasser in das Gebäude dringt. Deswegen den Abwasserkanal im Haus kontrollieren; sollte keine Rückstausicherung vorhanden sein, unbedingt einbauen lassen und deren Funktionsfähigkeit regelmäßig kontrollieren.

2. Alle Eingangsbereiche mindestens 15 – 20 cm höher als die umgebende Geländeoberfläche legen. Wenn das aus bestimmten Gründen nicht machbar ist, direkt in unmittelbarer Nähe eine ausreichende Anzahl von Sandsäcken, Dammbalken oder Schaltafeln, die in senkrechten Führungsschienen eingeschoben werden sollten, griffbereit vorhalten.

3. Kellertreppen oder Zugänge zu Souterrainwohnungen sollten genauso gesichert werden; ebenso gilt dies für bodenbündige Fenster.

4. Ebene Terrassentüren müssen dicht sein und mit den Fensterelementen dem Wasserdruck standhalten können. Durch genügend breite Abflussmöglichkeiten ist darauf zu achten, dass Terrassen nicht ähnlich wie Rückstaubecken volllaufen. Alles Wasser sollte möglichst weit weg vom Gebäude geführt werden.

5. Lichtschächte mindestens 15 cm aufstocken. Wenn Dachrinnen oberhalb von Lichtschächten sind, diese Lichtschächte zusätzlich abdecken. Überschwappendes Wasser, das von den Dachrinnen nicht aufgenommen werden kann, stürzt sonst direkt in die Lichtschächte hinein. Lichtschächte sollten genügend tief sein und entwässert werden können.

6. Garageneinfahrten können ein Einfallstor für Wasser direkt von der Straße her werden. Deswegen nicht schwellenlos tiefer führende Garageneinfahrten an das Straßen- bzw. Fahrbahnniveau anbinden. Eine Schwelle von mindestens 15 cm sollte verhindern, dass das Wasser von der Straße direkt in tiefer gelegene Garagen, und von da aus in andere Räume des Hauses gelangen kann. Mit Dammbalken oder unten geschlossenen Toren kann ein ähnlicher Effekt erzielt werden.

7. Optimal ist es, wenn in der Nähe der Eingänge im Innern des Gebäudes und an der tiefsten Stelle des Hauses jeweils ein Pumpensumpf und Tauchpumpen (am besten in Verbindung mit einem Notstromaggregat) vorgesehen werden.

8. Wenn Gefahr besteht, dass dennoch Wasser in den Keller eindringen könnte: In jedem Fall alle Stromkreise in den betreffenden Geschossen vollständig abschaltbar umrüsten, Elektrogeräte (Waschmaschine, Trockner) aufständern und alles Lagergut in wasserdichten Behältnissen lagern.

9. Tankanlagen (im Innen- und Außenbereich) gegen Aufschwimmen sichern.

10. Bäume in unmittelbarer Nähe von Gebäuden und öffentlichen Verkehrsflächen auf Windbruchgefahr hin prüfen.

Weitere wichtige Vorsorgetipps

Es sollte vorrangig auch der Versicherungsschutz geprüft werden. Eine Elementarversicherung deckt in der Regel Schäden aus einem Sturzflutereignis ab. ABER: Auch eine noch so gute Versicherung kann sinnvolle Vorsorgemaßnahmen nicht ersetzen. Schäden zu verhindern oder zu minimieren ist immer noch das erste Ziel. Wichtige Dokumente und Kontaktadressen sollten stets griffbereit sein. Man sollte auch damit rechnen, dass man kurzfristig und vorübergehend das Überflutungsgebiet verlassen muss (beispielsweise können durch unkontrolliert abfließende Wassermassen Schäden an Flüssiggastanks entstehen, die zu solchen Sicherheitsmaßnahmen führen würden).

Wenn tatsächlich eine Sturzflut droht:
Die Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes www.dwd.de geben erste Anhaltspunkte über sich annähernde Unwettergeschehen. So kann man vor Ort erkennen, dass eine Sturzflut unmittelbar bevorstehen könnte. Alles kann dann sehr schnell gehen: Nach heißem und schwülem Wetter verdunkelt sich der Himmel plötzlich zusehends (sog. „Weltuntergangsstimmung“), es bildet sich eine schwarze Wolkenwand, die sehr hoch in den Himmel reicht und unvermittelt treten orkanartige Windböen auf; es fallen erste dicke Regentropfen unmittelbar gefolgt von Graupel- und Hagelkörnern. In den meisten Fällen bricht gleichzeitig ein kräftiges Gewitter aus. Spätestens jetzt ist es dringend erforderlich:

  • Sicherung des Gebäudes durch die vorbereiteten Maßnahmen
  • Verbringen des Autos an einen sicheren Ort
  • Bereitlegen wichtiger Dokumente und Unterlagen
  • bei überspannungsempfindlichen Geräten Stecker ziehen
  • Aktivierung von Kommunikationsmedien (Akkubetrieb)
  • Unterstützung anderer Personen und Nachbarn
  • Bei Gewitter und Hagel im Innern des Hauses bleiben
  • Gefahr von Blitzeinschlägen, in keinem Fall im Wasser bleiben
  • Auf Haustiere achten

Selbst wenn sich kein unmittelbares Unwetter vor Ort ereignet, können Wassermassen von höher liegenden Katastrophengebieten unvermittelt zu erheblichen Überschwemmungen im Talverlauf führen. Deswegen sollen die Vorbereitungen auch vorgenommen werden, wenn sich talaufwärts eine entsprechende Unwetterlage abzeichnet.

Quelle: Bundesamt für Bevölkerungsschutz

Datum:
2. August 2013
Geändert:
2. August 2013