Wärmebildkameras

Hilfreiche Unterstützung für die Feuerwehren

Aufgedrehte Heizung - aufgenommen mit der WBKEine Wärmebildkamera (WBK) unterscheidet sich von einer normalen Kompakt- oder Spiegelreflexkamera dadurch, dass sie nicht das sichtbare Licht abbildet, sondern Wärmestrahlung. Wäremestrahlung wird von jedem Körper und jeder Oberfläche abgegeben und kann mit der Kamera sichtbar gemacht werden.

 

Warum sind Wärmebildkameras für die Feuerwehr hilfreich?

Bei vielen Aufgaben der Feuerwehr ist die Sicht für das normale menschliche Auge sehr eingeschränkt. Das einfachste Beispiel ist ein Feuer mit starker Rauchentwicklung. Die unter Atemschutz vorgehenden Einsatzkräfte können selbst mit starken Hand- und Helmlampen nur sehr eingeschränkt sehen (bis zu der berühmten "Hand vor den Augen").

Personensuche mit WBKDank der WBK ist es möglich die Wärmestrahlung, die jeder Körper und jede Oberfläche abgibt, sichtbar zu machen. Somit ergibt sich ein komplettes Bild des Raumes. Möbel, Elektrogeräte und natürlich auch menschliche oder tierische Körper lassen sich schnell erkennen.

Der Unterschied besteht darin, dass das Bild nur Temperaturen unterscheidet. Geben also zwei Körper die gleiche Wärmestrahlung (Temperatur) ab, erscheinen sie auch als ein Bild (Weiße Schrift auf weißem Grund ist eben nicht lesbar, als Beispiel aus der „normalen“ Welt).

Die Kamera kann unterschiedliche Temperaturbereiche erkennen und entsprechend einfärben. Je nach Betriebsmodus der Kamera werden „normale“ Temperaturen z.B. in Graustufen dargestellt, sehr heiße Bereich in gelb, orange oder rot. Die Kamera ermöglicht somit eine optische Orientierung in Bereichen, in denen normalerweise keine Sicht herrscht.

In welchen Bereichen wird die Kamera eingesetzt?

Brandbekämpfung, Feuer

  • Orientierungs- und Suchunterstützung
    Wie oben beschrieben vor allem zur Orientierungs- und Suchhilfe für die Einsatzkräfte im Innenangriff. Das Auffinden einer Person in einem verqualmten Gebäude geht mit einer WBK deutlich schneller als mittels konventioneller Suchtechniken.
  • Auffinden von Wärmebrücken
    Um die Brandausbreitung zu verhindern, müssen möglichst schnell Wärmebrücken zwischen zwei eigentlich getrennten Bereichen gefunden werden. Dies können z.B. durchgehende Stahlträger oder auch Kabelschächte sein.
  • Ablöschen von Glutnestern / Kontrolle einer Brandstelle
    Um ein Wiederentflammen einer Brandstelle zu verhindern, müssen Glutnester gefunden werden. Mittels einer WBK ist dies deutlich einfacher und vor allem wird weit weniger Schaden am Gebäude verursacht. Dank der Möglichkeit, warme Stellen hinter Holz oder Rigips zu finden, muss dieses nicht zwangsläufig gewaltsam entfernt werden.

Verkehrsunfälle

  • Lagefeststellung
    Bei Verkehrsunfällen ist es oftmals schwierig zu bestimmen, wie viele Personen im verunfallten Fahrzeug gesessen haben. Mittels der WBK lassen sich Wärmerückstände in den Sitzen finden. Daraus kann man ableiten, wie viele Personen im Fahrzeug waren.
  • Personensuche
    Wird eine Person vermisst, so ist es speziell in der Nacht und im Gelände schwer sie zu finden. Selbst, wenn sie sich nur wenige Meter vom Fahrzeug entfernt hat. Mit der WBK können ggf. die Wärmespuren einer Person und die Person selbst schnell gefunden werden.

Gefahrgut / Gefährliche Stoffe

  • Chemische Reaktionen
    Reaktionen von chemischen Stoffen passieren oftmals unter der Entwicklung von Wärme oder Kälte. Mit der Kamera können diese leichter sichtbar gemacht werden und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.
  • Wassergefährdung
    Chemische Stoffe, die in Gewässer gelangen, können bei bestimmten Eigenschaften der Stoffe ebenfalls mit der Kamera gesichtet und aufgenommen bzw. zunächst eine weitere Ausbreitung verhindert werden.
  • Füllstandsprüfungen
    Wasserkocher, Aufnahme mit WBKHaben Flüssigkeiten eine zur Umgebung abweichende Temperatur, so lässt sich mit der Kamera der ungefähre Füllstand eines Behälters bestimmen. Dies ist hilfreich um z.B. zu beurteilen, ob ein Tanklastzug komplett gefüllt ist oder sich nur noch Restmengen in ihm befinden.

 

Die vielen Anwendungsbeispiele zeigen, wie sinnvoll eine solche Kamera für die Feuerwehren ist. Da es sich im Bereich der Feuerwehren um eine in den Anfängen befindliche Technologie handelt, sind die Kameras entsprechend teuer. Hinzu kommt, dass die Kameras für den harten Feuerwehreinsatz geeignet sein müssen. Stürze oder Wasser dürfen die Kamera nicht beschädigen.

Einen sehr detailierten Einblick in die Arbeit und die Grundlagen der Technik bietet das Projekt "wbk-einsatz.de" dort stellen vier Studenten des Rettungsingenieurwesens ein 86 Seiten starkes (kostenloses!) Handbuch bereit. Dieses Buch beschreibt von den Grundlagen bis hin zum konkreten Einsatzfall die Möglichkeiten der Technik. Es steht zum kostenlosen Download bereit.

Datum:
19. August 2009
Geändert:
7. Oktober 2014